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Femundlöpet 2011


Troll-Trainingswägen
 







Hier findet ihr unsere deutschen news, geupdatet nicht nur von mir, sondern auch von unseren doghandlern, Freunden, etc ... Unsere englischen news findet ihr weiterhin hier.
 

Wir sind der offizielle deutsche Distributor für die norwegischen Troll-Trainingswägen.
Wenn Du diese noch nicht kennst - Du mußt sie kennen lernen !!
Nun auch für deutsche Musher der sicherste

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12.02.2012
Neue Bilder im "Welpentagebuch" ... die Junghunde beim Antrainieren

06.02.2012
Die Junghunde werden antrainiert ... wir starten mit zwei 10er-Teams





05.02.2012
Winter...liche Temperaturen ... endlich ...  nachts bis zu -19°C... tagsüber -5°C ...
Trainingsbedingungen, die endlich mal passen... wir haben ja lange darauf warten müsssen.
Doch nun sind auch die jungen mit dabei ... unser Biene-Maja-Team hat die ersten Runden in einem 10er-Team wahrhaft gemeistert.
Maja und Puck orientieren sich bereits Richtung lead, Flip der Riese als ausdauernder Antreiber, Alois schiebt von hinten kräftig an, und Willi .... ja der Willi... was soll ich sagen .... eine wirkliche Dampflokomotive.... wie First in seinen besten Tagen.... nein noch besser .... diese Kraft, diese Geräusche die er dabei macht ....
Zwei 10er-Teams im Training erfordern nun auch ihren zeitlichen Rahmen, und so sind wir täglich zahllose Stunden draußen.

20.01.2012
Schnee .... Regen ..... Schneeregen ..... Sonne....  Sturm mit Schneeregen .... man kann gar nicht so schnell schauen, wie es sich heute ändert ...
UND: Happy Birthday Joop & Eddy .... heute nun vier Jahre alt ...

15.01.2012
Seit drei Tagen Dauerfrost .... endlich ....  ein paar wirklich gute Trainingseinheiten ....

Und hier ein paar Morgenimpressionen ...








06.01.2012
Happy birthday kleine Smilli-Maus.
Smilla wurde heute stolze 15 Jahre alt ...

05.01.2012
Der schlechteste Winter seit vielen Jahren .... wir wühlen uns jeden Tag durch tiefere Schichten von Schlamm und Dreck ...
Die letzten zwei Tage waren wir weitestgehend mit Aufräumarbeiten durch die beiden Orkane beschäftigt ...

03.01.2012
Nach endlosen Tagen (und Wochen) heute morgen zum ersten Mal wieder die .... Sonne gesehen  ... und auch schon wieder vorbei .... Regen.... und jetzt noch Sturm mit Orkanböen ...


02.01.2012
Regen ... Matsch & Dreck ....

01.01.2012
Das neue Jahr startet, wie das alte aufhörte .... Nieselregen bei plus 14°C ....
Ich wünsche allen ein frohes und gesundes neues Jahr.
Und erhoffe für uns nur noch eines: Besserung ...
Was ist ein Schlittenhunde-Team ohne leader? ....  Nichts ....
Läufige Hündinnen in lead? ..... Besser sein lassen ....

31.12.2011
Ein Jahr geht zu Ende .... eines der traurigsten Jahre meines Kennels.... ich verlor gleich vier meiner geliebten treuen Gefährten innerhalb der letzten acht Wochen ...
So soll dieser letzte Tag des Jahres dem stillem Gedenken dienen .... dem stillen Gedenken an meine allzeit treuen Freunde ...

     
       
   


13.12.
Magendrehung .....  die zweite, die ich nun miterlebte .... ich war also gewarnt, als Janina zu mir kam,  Yukon würde so komische Geräusche machen ... was sie nicht sofort sah (sie kam leider erst 30min nach den ersten Anzeichen) war der übermäßig aufgeblähte Bauch.... kurz vor'm platzen ...
Schnell ans Telefon.... in der Klinik angemeldet ... und mit 140 km/h losgerast.... hinten im Kofferaum den röchelnden Yukon .... hoffentlich schaffe ich es noch rechtzeitig ... wir wurden bereits erwartet .... und aufs beste sofort versorgt .... Röntgen..... und nach drei Minuten war meine Diagnose bestätigt ...  nach 10 Minuten lag er bereits in Narkose und wurde in die OP geschoben ..... dank all dieser raschen Reaktionen rennt Yukon heute also immer noch zwischen uns herum ...


Mitte Dezember
Wir leben in Matsch und Dreck .... das Wetter nur noch Regen.... der Freilauf, die letzten Jahre immer unser Rückhalt mit Rasen.... entwickelt sich immer mehr zur Schweine-Suhle....
Training wurde auf ein Minimum zurückgefahren..... macht einfach keinen Sinn die Hunde immer und immer wieder nur durch diese Schlammhölle zu jagen ..... ok, sie machen es alles freudestrahlend mit, so lange sie nur laufen dürfen .... doch die Gesundheit leidet.... entzündete Augen.... ständig gereizte Pfoten, da diese überhaupt nicht mehr trocknen können ...
Tägliche Hauptarbeit: Wechseln des Strohs in den Hütten .... habe noch nie solche Massen an Stroh verbraucht ...


25.11.11
aus dem Tag der Trauer wurde eine Woche
aus der Woche wurde ein Monat

und heute nun verließ uns unser kleiner Aufpasser der Schlittenhunde .... unser kleiner alter Mann.... 17 Jahre in der Meute der Schlittenhunde ..... unser kleiner Benny ....

und wieder.... ohne das sie es sahen ..... erklang nur eine Minute nach seinem Ableben ein Konzert aus nun nur noch 29 heiseren Kehlen ....

was hast du uns geärgert.... was hast du uns für Freude bereitet.... was hast du die großen Jungs gejagt und dich diebisch dabei gefreut ....
Nach mehreren Schlaganfällen innerhalb nur drei Stunden kam unser kleiner Benny nicht mehr aus dem Krampfen heraus und wir mußten für ihn entscheiden.... er war niemals krank, siebzahn lange Jahre lang ...

05./6.11.11
Das Training lenkt uns etwas ab ... jedoch beim Einspannen des Rennteams.... bleibt ein Platz leer .... und wieder gehen alle Gedanken zu Akira ...
Die Junghunde Flip, Willi und Alois brachten ihre erste Trainingseinheit sehr erfolgreich zu Ende. 5,5km am Fahrrad, jeweils zusammen mit einem alten, erfahrenen leader. Wobei Alois der Antreiber, Flip der Ruhige und Beständige, und Willi die Dampflok ist.
Puck und Maja haben noch drei Wochen Zeit, bevor auch sie sich beweisen dürfen.


01.11.11
Aus dem Tag der Trauer um Nebraska wurden heute drei  ....
sudden death ....    zwei Worte, mit denen ich bisher nie konfrontiert wurde ...
und nun liegt Akira - keine fünf Jahre alt geworden - in meinen Armen und stirbt .... einfach so .... das Herz hörte einfach auf zu schlagen .... und sie lachte dabei auch noch ....
sie rannte auf allen Trails, die es in Europa gibt , Finnmarks, Femund, Amundsen , ..... so viele tausende von Schnee-km .....
und ich weiß nicht, was ich übersah .... da gab es einfach nichts .... kein Zeichen ..... einfach nichts ....  sudden death ...

28.10.11
Nebraska kehrt 14-einhalb-jährig heim..... und stirbt im Kreise ihrer alten Familie

25.10.
Ein doghandler-"Job" ist kein Job sondern eine Lebenseinstellung. Heute mußte uns Tamara aufgrund massivster Verfehlungen verlassen. Wir wünschen Ihr mit ihrer hier an den Tag gelegten Art und Weise viel Glück in ihrem weiteren Leben ... sie wird's brauchen ...

28.09. bis 03.10.11
"Trainingslager" in den Kasseler Bergen ... tagsüber leider bei bis zu plus 29°C .... so war Training nur sehr bedingt möglich.... in den ganz frühen Morgenstunden ... und tagsüber wurde nur relaxt ... und geschwitzt ...

Ganz früh am morgen kühlte wenigstens noch der Nebel auf 7°C herunter ...






Doch sobald die Sonne durchlugte... waren es ganz schnell wieder 20°C und noch deutlich mehr ... man mußte also bereits um 8:00 Uhr mit dem Training fertig sein ....














Im Wald war es deutlich kühler ...


Unterwegs auch noch mal Snacken und Wässern übern ...


Doch sobald man diesen verließ, und die Sonne kam raus ....



































"Langeweile" bei anderen Teams ...




14.09.11
Ein trauriger Tag geht zu Ende ...
Ich wußte, daß dieser Tag wieder kommen würde ... doch es tut jedes mal auf's neue einfach so weh ... loszulassen ....

Um 13 Uhr stirbt Baileys in meinen Armen.... friedlich, ohne Schmerzen... sie hat den Kampf verloren, die Vergiftung durch die vor 14 Tagen festgestellte Pyo und die darauf folgende OP war zu viel für ihren fast 14 Jahre alten Körper .... ihr Geist war klar, sie schaute mich immer wieder an.... doch ihr Körper war darauf einfach nicht mehr vorbereitet....
So entließ ich sie denn zu Benny, Narvik, Olive, Enouka, Choice, Kira .... und ich weiß, sie werden zusammen über uns alle hier unten wachen ...  und eines Tages fahren wir wieder alle gemeinsam über tief verschneite Trails ... Baileys, wir sehen uns wieder ...

"Jeder Hund ist  ein Stern am Firnament.
In jeder Nacht in der Du unterwegs bist, siehst Du sie und sie sehen dich, und wünschen dir und deinem Team eine sichere Reise. Diese Sterne geleiten dich in finsterer Nacht ans Ziel, denn du kannst mit ihnen navigieren.
Auch Baileys ist zu einem Stern geworden, und wenn deine Augen frei von den Tränen des Verlustes sind, kannst du sie sehen, wie sie dir von ganz weit oben zuwinkt."

08.09.11
Baileys macht uns sehr große Sorgen .... sie frißt einfach nichts ... und muß nun wieder an den Tropf... wir versuchen alles ... doch sie gibt sich immer weiter auf ... wir sind alle sehr traurig  ...

31.08.11
Flip turnt und tollt bereits gemeinsam mit unserem Biene-Maja-Team herum... er wurde sofort begrüßt wie der bisher fehlende Fünfte im Bunde.

30.08.11
Willkommen Flip, unser zusätzlicher kleiner Nachwuchs (4,5 Monate) aus Norwegen ... Bilder folgen (im Welpentagebuch)... 

20.08.11


19.08.11
Tamara hat sich das Vertrauen und die Liebe unserer Hunde bereits erarbeitet ...


16.08.11
Happy Birthday Eki ... und nun bist auch du sieben Jahre alt.

15.08.11
Happy Birthday  Pauline, Lalaby, Stormy und First ... nun schon zehn Jahre alt... und ich erinnere mich an die Geburt als wäre es gestern gewesen ....  was sind wir zusammen alt geworden ...

14.08.11
Der Herbst kommt mit großen Schritten .... mit sehr schönen Abendimpressionen ...








13.08.11
Happy Birthday Ete ... nun schon (erst) sieben Jahre alt ...

Bela, unser kleiner 2-Tages-Gast... und in sechs Jahren ein doghandler-Aspirant 


Platz ist in der kleinsten Hütte ....


12.08.11
Mutter und Sohn ...




11.08.11
Regen, Regen, Regen und kein Ende .... gestern rasen gemät und heute bereits wieder 3cm nachgewachsen ...

09.08.11
Gott sei Dank ist nun die Hitzewelle scheinbar vorbei .... es pendelt sich wieder bei tagsüber plus 20°C ein .... während man in z.B. Narjordet bei lediglich plus 5°C bereits fleißg am Trainieren ist ...  können wir leider nur davon träumen ... eben wie jedes Jahr ....
Tamara hat mittlerweile auch alles im Griff ... und die Hunde sind sehr zufrieden mit ihr ...


03.08.11
Eine interessante Feststellung: Alois Kopf paßt komplett in Yukons Maul ...
Heute wieder plus 31°C .... das Wasser fließt in Strömen .... die Kimme runter ....

02.08.11
Happy Birthday kleine große Boccia .... drei Jahre bist du jetzt alt geworden... und hast uns bereits vier wunderschöne kleine Fellmützen geschenkt ....

31.07.11
Janina & Alina haben uns nun heute "verlassen"..... ein lachendes aber auch mindestens drei weinende Augen inklusive .... hiermit noch einmal ganz herzlichen Dank für eure deutlich überdurchschnittliche Leistung .....
Nun lastet die gesamte Verantwortung auf Tamara ....

23.07.11
Erstes leichtes Lauftraining ...























18.07.11












16.07.11
Karin und Chris, samt Chica & Asti waren heute zu Besuch.


und sie brachten uns was ganz leckeres mit :


Das sagte Karin nach ihrem Besuch:

"... Die 6 Stunden Fahrt waren's absolut wert, Ben und seine Hunde wohnen einfach super (wenn auch furchtbar flach  ), mitten im Bauernhof-Land.
30 Hunde in den Zwingern bzw im Freilauf und wen hört man? Den nölenden Schäferhund und den quengelnden Aussie.... 
Es ist wirklich unglaublich welche Ruhe bei so vielen Hunden herrschen kann.... Auf den Schäferhundeplätzen wird mir das keiner glauben...
Chris durfte am eigenen Leib erfahren, dass Alaskans am Bauchgurt doch ein wenig "anders" sind als Asti. 
Und es wurde natürlich ganz viel Hunde gekuschelt, geschmust und geknuddelt.
Ich freu mich auf ein Wiedersehen ..."

Karin machte folgende schöne Aufnahmen ....


Smillie-bignose ...


ha ha ha ha .....


09.07.11
Sommer ... es ist einfach zu warm .... die Senioren waren mit Gästen im Moor ...






01.07.11
Senioren-Wandern ....






30.06.11
Zehn Hündinnen läufig. Baileys jetzt auch noch. Es ruckt und ruckelt jetzt in allen Zwingern ... Piki ist vollkommen aus dem Häuschen ...

29.06.11
Mit Whity sind jetzt acht Hündinnen läufig (oder halten sich teilweise dafür): Lalaby, Pauline, Yuna, Jannu, Eki, Eddy, Akira
Das macht es im Moment nicht gerade einfach ...

23.06.11






04.06.11
Und um nicht gänzlich im Sommer-Wahn zu verfallen ... nur mal so zum erinnern ...




03.06.11
Neben der ganzen Arbeit mit den Welpen darf alles andere natürlich nicht liegen bleiben ...









29.05.11
Nach mehreren Wochenenden haben sich nun mehr als 18 Bewerber für unsere nächsten 12 Monate als doghandler hier vorgestellt.
Die Auswahl ist nun (fast) beendet und demnächst sehen wir hier neue Gesichter.
Und da wir auch ein ausgezeichnetes Verhältnis zu unserem Vet haben, darf Stefan derzeirt ein vertiefendes Praktikum bei demselben machen.

20.05. bis 22.05.11
Auch Rennhunde liegen im Sommer nicht nur auf der faulen Haut, sondern wollen - ein ganz klein wenig - bewegt werden .... und die kostenlose Schlammpackung wird zur Kühlung dankend mit genommen ...













25.04.11
Sonnige Ostern ... und die Kinder des Dorfes zu Besuch .... Happy Kids und Happy Dogs ...



Wasserspiele ...



Happy handler...



19.04.11
Jannu



Boccia ...  wie man sehen kann, ein echter Happy Dog



Stefan und Akira .... Mittagsruhe



Wir haben uns lieb ...



18.04.11
Janina und Alina mit der Mafia auf "Erkundung" im rauhen Busch ... und wie man sehen kann, haben alle reichlich Spaß ...





Viel Arbeit machen uns auch die Büsche, die alten müssen raus, die neuen kommen demnächst rein ...



Zwingerarbeit .... Frühjahrsputz, der sich ab jetzt alle 14 Tage wiederholt ...



Mit Janina ist nicht zu spaßen ....



Die Gemüsebeete werden geplant und angelegt .... mit neuem  "norwegischen" Zaun.




17.04.11
Frühling .... der Rasen sprießt förmlich über Nacht ...




Und mit den drei neuen Zwingern sind wir jetzt auch gut vorbereitet ...

24.03.11
Happy Birthday alter Yukon & Kiana und unser junger Neuzugang Jannu
Wenn ich Yukon so ansehe mit seinen mittlerweile 12 Jahren, und mich erinnere wie er hinten aus Smilla herausplumpste, .... was sind wir doch zusammen alt geworden  ...
Und mit dem Blick in seine Augen sehe ich immer meinen alten Benny vor mir ... Yukons Papa

22.03.11
Morgendliches Training mit 14er-Team und dem neuen Troll-Trainingswagen






21.03.11
Es ist Frühling ... Piki & Boccia .... und hoffentlich in 63 Tagen ....



Kinder lieben unsere happy dogs  ---  Unsere happy dogs lieben Kinder





Frühlings-Arbeit .... Feuerholz für den nächsten Winter




Februar 2011
Rennbericht von Stefan, unserem doghandler, zum Femundlöpet 2011, der diesjährigen Langdistanz-WM

Femundløpet 2011

Es ist Mittwoch, 9.00 Uhr. Das Starten des Motors durchbricht die Stille. Ich schaue mich noch ein letztes Mal um, um sicher zu gehen, dass auch wirklich nichts vergessen wurde. In den letzten dreieinhalb Wochen hat sich so einiges an Ausrüstung rund um die Hütte angesammelt. Das meiste davon benötigen wir nun im Rennen. Schlitten, Geschirre, Näpfe, Futter und vieles mehr. 600 km durch die Wildnis Norwegens, da braucht man einiges. In 4 Tagen sind wir wieder hier, wenn alles nach Plan läuft, denn Grimsbu ist der vorletzte Checkpunkt. Bisher deutet nichts darauf hin, dass hier in ein paar Tagen mehr als fünfhundert Hunde nur ein paar Meter von unserer Hütte entfernt liegen werden. Was hier in Deutschland viel Aufsehen erregt, ist in Mittel- und Nordnorwegen nichts Besonderes. Ich steige in den Dodge und schließe die Tür. Kurz darauf fahren wir los. Jetzt wird sich zeigen was die letzten Wochen gebracht haben. Reichen Vorbereitung und Training aus? Nicht nur die Hunde müssen fit sein, auch für (alle) Menschen werden die nächsten Tage anstrengend. Wenig Schlaf und viel Stress bestimmen das Rennen. Detlef, unser Fahrer, ist zum ersten Mal bei einem Hundeschlittenrennen dabei. Für mich ist es, nach dem Finnmarksløpet letztes Jahr, bereits das zweite große Rennen als Doghandler. Ben startet zum fünften Mal beim Femundløpet.
Unser Ziel für heute ist Røros. Morgen werden hier mehr als 80 Musher über die 600km Distanz starten.
Nachdem wir uns angemeldet haben, treffen wir Mireille und Frank, einen ehemaligen Doghandler von Ben. Sie laden uns ein, die Nacht in ihrer gemieteten Hütte unweit der Stadt zu verbringen. Das Angebot nehmen wir natürlich an. Nach der Eröffnungszeremonie machen wir uns also auf den Weg zu ihnen. Versteckt im Wald liegt das kleine Haus. Wir holen alle Hunde aus dem Dodge und verteilen Fleisch und Trockenfutter. Ob die Vierbeiner schon merken, was ab morgen auf sie zukommt? Heute Abend haben sie jedenfalls keinen Appetit, fast alle verschmähen das Futter. Also geht es für sie zurück in die Boxen, ein letztes Mal im gemütlichen Bettchen schlafen. Wir essen auch noch schnell ein paar Scheiben Brot und legen uns dann schlafen. Als ich am nächsten Morgen die Hütte verlasse um zu den Hunden zu gehen, wundere ich mich warum auf einmal soviel Schnee vor der Tür liegt. Hier konnte man doch gestern noch ganz normal durchgehen. Über Nacht gab es zwanzig Zentimeter Neuschnee. Leise rieseln noch immer die Flocken vom Himmel. Es ist noch dunkel, als wir die Hunde erneut aus dem Auto holen. Die Wassernäpfe die ich über Nacht draußen stehen gelassen hatte, sind jetzt nur noch nach einiger Schaufelarbeit wiederzufinden. Nach einem gemütlichen Frühstück verabschieden wir uns von unseren freundlichen Gastgebern und verlassen die verschneite Hütte in Richtung Startbereich. In ein paar Stunden werden 12 Happy Dogs an der Startlinie stehen, voller Adrenalin. Sie werden schreien, springen und ziehen als wäre dies der Moment auf den sie ihr ganzes Leben gewartet haben. Mit der Gewissheit, dass sie nichts daran hindern kann den Schlitten aus der Stadt heraus über Berge und Flüsse, durch Wälder und Täler zu ziehen, wartet jeder einzelne nur darauf, dass es endlich los geht.
Der Parkplatz auf dem wir die Stunden bis zum Start verbringen werden erweist sich als sehr geräumig. Im Gegensatz zu den meisten Teams haben wir die Möglichkeit die Hunde an die lange Stakeoutkette zu legen. Um 13.19 fällt für unser Team der Startschuss, bis dahin bleibt nur noch den Schlitten fertig zu packen. Das erledigt Ben alleine. Es ist ein trüber Tag, immer wieder fällt ein wenig Schnee, die Temperatur liegt nur knapp unter dem Gefrierpunkt. Die Zeit vergeht schneller als erwartet. Es wird immer lauter, denn die ersten Teams sind bereits gestartet. Langsam ziehen wir den Hunden die Geschirre an. Lalaby und Stormy, Yukon und Smilla kommen zurück in den Dodge. Jetzt wird es ernst. Der Schlitten steht bereit, das Zugseil ist ausgelegt und wir fangen an anzuspannen. Vorne laufen Pauline und Joop, dahinter Eki und Akira. Dann die beiden geliehenen Hunde Bosse und Lucifer. Piki läuft neben Whity und hinter ihnen Eddy neben Gipsy. Ganz hinten sind Inuk und Yuna. Ich stehe vorne bei Joop und halte sie am Halsband. Sie ist wie immer komplett außer sich und springt und beißt als gäbe es keinen Morgen mehr. Pauline ist von dem kindischen Verhalten total genervt. Eki zieht die beiden alle paar Sekunden am Zugseil zurück. Ich schreie sie an, aber alle Laute gehen in dem ohrenbetäubenden Lärm unter. Noch warten fünf Teams vor uns. Sekunden werden jetzt zu Minuten. Detlef versucht Eddy davon abzuhalten Gipsy anzuspringen, aussichtslos. Die Hunde sind nicht zu bändigen, hoffentlich geht es bald los. Endlich sind wir an der Reihe. Die versprochenen starken Helfer entpuppen sich als Schulkinder, egal, es sind nur zweihundert Meter bis zum Start. Ich hake eine Leine unter Paulines Geschirr und warte, dass der Schlitten angleitet. Und schon ist es soweit. Wir laufen zur Startlinie, über den Parkplatz, über die Straße, durch die Innenstadt. Fast muss ich einen Passanten beiseite drängen weil er mitten im Weg steht. Dann sind wir da. Noch zwei Teams stehen vor uns, also noch zwei Minuten warten. Plötzlich laufen Eki und Akira an mir und Pauline vorbei. Und auch Luci nähert sich. Aber direkt vor uns steht noch ein Schlitten, sieht Ben denn das nicht? Doch tut er, aber sein Ankerseil ist gerissen. Nichts scheint ihn mehr zu halten, doch mehrere Zuschauer eilen blitzschnell zu uns und halten die Hunde. Die Nummer 78 fährt los, jetzt sind wir an der Reihe. Der Schlitten fährt genau bis zur Startlinie vor. Noch 30 Sekunden. Ich löse die Leine und gehe einen Meter zurück. Noch zehn Sekunden. Die Hunde werfen sich in die Geschirre, die Seile sind zum Bersten gespannt. Noch 5 Sekunden. Der Schlitten scheint zu zerbrechen. Dann der Startschuss. Die Bremse löst sich. Die Hunde sind sofort still und rennen los. Erst am Abend werden Detlef und ich die 12 und Ben in Tufsingdalen wiedersehen. Als wir vor ein paar Tagen dort waren konnte man keine 5 Meter weit gucken. Ein Schneesturm tobte über das Tal. Hoffentlich würde uns das heute erspart bleiben.
Jetzt wo das Team weg ist fällt die Anspannung von mir ab. Ich fühle mich erschöpft aber glücklich, alles ist gut gelaufen. Detlef und ich setzen uns noch in ein Café und trinken was Warmes. Wir haben 7 Stunden Zeit um zum nächsten Checkpunkt zu kommen, benötigen für die 60 km aber nur 2 Stunden. Um 16 Uhr erreichen wir den ersten Kontrollpunkt. Die meisten sind schon da. Es ist heiter, aber die Sonne ist schon fast hinter dem Horizont verschwunden. Die erste Nacht bricht an. Wir schauen uns um und finden die ersten Teams bereits rastend. Für Tufsingdalen sind keine Depotsäcke, das heißt kein zusätzliches Futter vorgesehen. Wir haben trotzdem zwei gut befüllte Säcke dabei und erst als wir uns fragen warum uns viele so komisch angucken, fällt mir ein, dass wir die Säcke nicht hier, sondern erst im nächsten Checkpunkt loswerden. Also wieder zurück zum Dodge. Wir füttern die Zurückgelassenen, Yukon, Smilla, Lalaby und Stormy und Detlef geht noch ein kurzes Stück mit jedem. Dann machen wir uns auf den Weg zum Ankunftsbereich. Im Musher Meeting vor dem Rennen erfuhren wir, dass Doghandler ihrem Musher bei der Ein- und Ausfahrt behilflich sein sollen. Ich wartete also gemeinsam mit Detlef auf Ben. Mit uns noch einige weitere Doghandler. „Syttini„ ruft einer der Helfer, „neunundsiebzig“. Es ist 19 Uhr. Ich renne ein Stück nach vorne und schon sehe ich Pauline und Joop aus dem Dunkel auftauchen. Ich rufe Pauline und sie läuft auf mich zu. Dann steht der Schlitten. Wieder hake ich die Leine unter ihr Geschirr. Die 12 Dauerläufer sehen gut aus. Aus der Puste, aber fit. Keiner humpelt und alle noch an ihren Positionen. Ich laufe los, auf das rote Blinklicht zu. Dort ist der Platz wo sie die nächsten Stunden rasten werden. Als der Schlitten die vorbestimmte Halteposition erreicht hat, frage ich mich was ich jetzt machen soll. Ich schaue mich um und kann meinen Augen kaum glauben. Bei jedem Team stehen nicht nur Musher, Offizielle und Tierärzte, sondern auch Doghandler. Der eine redet mit seinem Musher, der andere steht rum. Einer streichelt gerade einen Hund aus seinem Team. Okay, also bleibe ich auch. Ich schaue Ben zu wie er das Stroh und Futter verteilt. Ich frage ihn wie es gelaufen ist. Keine Probleme, sagt er. Einmal sei er vom Schlitten geflogen. Er wunderte sich noch warum der Typ vor ihm plötzlich einfach mit dem Schlitten umkippte. Die Stelle ist doch harmlos dachte er, bis er selbst dort hin kam und ihn das gleiche Schicksal ereilte. Er ist fröhlich, also geht es ihm gut. Piki und Whity fressen, Luci und Bosse auch. Was weiter vorne ist, kann ich nicht genau erkennen. Inuk und Yuna rühren nichts außer Pansen an. Ben entscheidet sich, die ganze Zeit beim Team zu bleiben. Ich bringe ihm einen Tee, Bonbons, die Detlef noch schnell aus dem Dorfladen geholt hat und einen warmen Pullover. Es ist laut um uns herum. Viele Teams bleiben nicht lange und auch unsere Hunde ruhen sich nicht wirklich aus. Nach nicht mal zwei Stunden fängt Joop an zu jaulen. Sie springt und signalisiert, dass sie keine Lust hat hier noch länger zu bleiben. Whity ist damit einverstanden und auch Eki, Eddy und  Akira haben nichts dagegen, wieder loszulaufen. Schnell stehen alle 12 wieder und jaulen und bellen. Ben entscheidet sich früher als geplant wieder aufzubrechen. Er bootet alle Hunde und packt erneut seinen Schlitten. Während ich vorne bei Joop hocke und sie am Halsband halte, nähert sich von hinten ein Rennoffizier und erklärt mir, dass ich mich hinter den Schlitten stellen soll. Ich sage ihm, dass ich nur verhindern möchte, dass sich die Kleine mit ihrem Rumgespringe selbst verletzt. Er bleibt stur und droht, den  Racemarshall zu holen. Also gehorche ich, stelle mich aber kurze Zeit später wieder nach vorn. Ich spreche mich noch kurz mit Ben ab. Er sagt er plane für die nächste Etappe 6 Stunden Zeit ein. Dann fährt er los. Ich laufe wieder einige Meter voraus bis Pauline weiß wo sie lang muss. Um 21.18 Uhr verlässt Ben Tufsingdalen. Langsam trotte ich zurück, auf mich wartet Arbeit. Das Stroh und den Müll, den Ben zurückgelassen hat, muss ich auffegen. Es ist kälter geworden und die Arbeit kommt mir nicht ungelegen, so kann ich mich nach dem rumstehen wieder ein wenig aufwärmen. Auf dem Weg zurück zum Dodge kommt mir Detlef entgegen. Er ist  überrascht, dass Ben schon weg ist. Wir entscheiden uns, ohne Pause sofort nach Drevsjø weiterzufahren und dort dann ein paar Stunden zu schlafen. Es ist kurz nach 23 Uhr als wir dort ankommen. Fast die Letzten sieht es schlecht aus mit einem guten Parkplatz. Wir fragen einen älteren Checkpunkthelfer. Freundlich erklärt er uns auf deutsch, dass wir hinten im Wald noch was finden würden. Nach kurzer Diskussion kann Detlef ihn überreden, den eigentlich schon gesperrten Parkplatz direkt am Haupthaus für uns zu öffnen. Wir finden eine Stelle wo wir das Auto abstellen. Einen Stromanschluss gibt es hier nicht und da unsere Standheizung nicht so funktioniert wie so soll, steht uns ein kalter Schlaf bevor. Außen sind die Temperaturen auf minus 15 °C gesunken. Während ich die Depotsäcke und Decken ins Depot direkt am Rand des Liegeplatzes bringe, hängt Detlef schon die benutzten Booties im Dodge zum Trocknen auf. Da wir den Dodge während des gesamten Rennens nicht richtig aufheizen konnten, waren sie selbst nach 3 Tagen noch nicht richtig trocken. Hier gibt es so eine Art Stadionsprecher. Die ganze Nacht hindurch berichtet er über die die ankommen und abfahren. Da die Ankunft der Topteams kurz bevor steht, sind viele Zuschauer da. Jeden Moment könnte der erste die mit Fackeln abgesteckte lange Einfahrt herunter rauschen. Kurz überlege ich dazubleiben und mitzujubeln, aber der kalte Schlafsack lockt mich mehr und Ben erwarte ich in frühestens 3 Stunden. Also folge ich meinem Verstand zurück zum Dodge in den Schlaf. Nach nur 2 Stunden klingelt der Wecker. Es ist zwei Uhr. Verwirrt stelle ich ihn aus und will noch ein paar Minuten liegen bleiben. Um 2.18 Uhr werde ich wach. In Panik ziehe ich mich an. Es ist kalt, dunkel und eng. Dann höre ich den Stadionsprecher „... Ben is coming ...“. Verdammt, ich habe die Einfahrt verpasst. Ich reiße die Tür auf und springe heraus. Hinter mir höre ich ein leises Schnarchen. Detlef habe ich also nicht geweckt. Mit offener Jacke, Mütze und Handschuhen unter dem Arm renne ich zum Einfahrtbereich. Zuschauer sind keine mehr da, nur 4 andere Doghandler stehen noch hier. Ich frage einen, ob die 79 schon durchgefahren ist, aber er kann mir nicht helfen. Ich schaue auf den großen Platz, aber es ist dunkel und ich kann keine Nummern erkennen. Soll ich einfach quer über den Platz latschen und suchen? Der Depotsack steht noch hier, er muss also hierherkommen. Ein erneutes „79, Ben's comingl“ reißt mich aus meinen Gedanken. Ich schaue nach links und plötzlich steht Pauline neben mir und guckt mich an. Überglücklich lächle ich sie an und perplex bleibe ich einfach stehen, als Ben losfährt um seinen Rastplatz zu erreichen. Ich schaue ihm hinterher und erst jetzt wird mir bewusst, dass ich eigentlich vor ihm und nicht wie ich es jetzt tue hinter ihm laufen muss. Noch immer befinden sich 12 Hunde vor seinem Schlitten, aber Inuk humpelt. Nachdem sie schon in der Finnmark frühzeitig aufhören musste, droht ihr jetzt dasselbe Schicksal. Wieder bereitet Ben den Hunden zuerst die Strohbetten und gibt ihnen dann etwas Futter. Wieder fressen nicht alle. Als ich Ben den Rucksack mit etwas Essen und Trinken für ihn bringen will, werde ich von einem Rennkommissar aufgehalten. Ich muss den Rucksack ins Depot packen. Also gehe ich mit Ben zusammen zum Depot und er nimmt die Säcke und den Rucksack. Wieder bei den Hunden, deckt er sie nur noch mit Decken zu und geht dann zum Dodge um ein paar Stunden zu schlafen. Jetzt habe ich die Aufsicht, für mindestens 3 Stunden. Ich habe mir etwas Essbares eingepackt, aber keinen Hunger. Es ist jetzt 4.00 Uhr und immer noch kalt. Ich bin müde. 45 Minuten vergehen, ohne dass ein Hund auch nur die kleinste Bewegung macht. Um mich herum ist alles ruhig, nur ganz am anderen Ende macht sich ein Musher fertig, Drevsjø wieder zu verlassen. Ich entschließe mich für ein paar Minuten in die große Halle zu gehen um einen Tee zu trinken und mich aufzuwärmen. Viele Tische stehen nebeneinander, aber nur wenige Menschen haben sich hier versammelt. In einer Ecke liegt jemand und schläft. Es sind kaum Gespräche zu vernehmen. Die meisten sitzen einfach, entweder mit geschlossen Augen oder müdem Blick. Ab und zu kommt jemand herein und verlässt die Halle wieder. Der Kellner geht alle paar Minuten durch die Gänge und wischt alle Tische ab. Ein bizarres Schauspiel. Ich hole mir einen Tee, es kostet nichts. Ich trinke das warme Getränk und fühle wie es mir wohltut. Ich hole mir noch einen Tee. Von Detlef ist weit und breit keine Spur zu sehen. Ich vermute, dass er in irgendeinem Raum liegt und schläft. Morgens erzählt er mir, dass ich Recht hatte. Eine halbe Stunde später verlasse ich die Halle wieder. Zurück bei den Hunden, sehe ich, dass sich Pauline und Joop abgedeckt haben. Ich prüfe ob mich jemand beobachtet und decke sie dann wieder zu. 2 Stunden verbringe ich hier, decke ab und zu einen Hund wieder zu, laufe im Kreis um mich warm zu halten. Dann kommt Ben zurück. Ich lasse ihn mit den Hunden alleine um mich wieder ein wenig aufzuwärmen. Als ich wiederkomme, dämmert es bereits. Es hat angefangen zu schneien und Wind ist aufgekommen. Die Temperaturen sind gestiegen. Der Tierarzt ist bei unseren Hunden und untersucht Inuk. Wir nehmen sie aus dem Rennen, das Humpeln ist nicht weniger geworden, außerdem ist sie sehr dünn und schwach. Kurze Zeit später ist er bereit zur Abfahrt. Auf dem Weg zur Ausfahrt, rammt Ben einen Holfpfosten, ohne Folgen, nur der Pfosten steht danach etwas schief. Das Ereignis erheitert meine Stimmung ein wenig. Um 9.00 Uhr fange ich an das Stroh zusammenzukehren.
 Detlef hilft mir dabei. Wir packen den Rest zusammen, holen alle Hunde noch einmal für ein paar Minuten raus und fahren dann los. Nach 15 Minuten Fahrt und einem prüfenden Blick auf die Karte stelle ich fest, dass wir in die falsche Richtung fahren. Wir drehen also um und kurze Zeit später sehen wir wieder das Ortsschild von Drevsjø. Jetzt sind wir richtig doch nach 10 Kilometern fällt mir plötzlich schlagartig ein, dass ich Bens Handschuhe, die ich zum Trocknen auf eine Heizung im Haupthaus gelegt hatte, dort liegen lassen habe. Also wieder kehrt und erneut das Ortsschild Drevsjø. Ich hole die Handschuhe und endlich können wir uns auf den Weg nach Søvollen machen. Der Checkpunkt liegt in den Bergen, ein Hüttendorf für Skiwanderer, mit dem Auto nur über eine Mautstraße zu erreichen. Als wir die Mautstation anfahren, finden wir nur ein kleines unbesetztes Häuschen, mit einem Zettel auf dem steht wie man den hier die Maut zu bezahlen hat. Zu unserem Glück kommt ein Norweger vorbei, der uns das ganze in gebrochenem Englisch erklären kann. Wir werfen also 40 Kronen in einen Umschlag mit unseren Namen und Autokennzeichen drauf und bugsieren diesen dann in einen Briefkasten. Jetzt wird die Straße noch steiler und enger, aber wir erreichen den Parkplatz problemlos. Viel Trubel erwartet uns. Skifahrer, Doghandler, Musher und Hunde sind auf der Straße unterwegs. Wir finden erneut guten Platz zum Halten und wie einstudiert beginnen wir unsere Arbeit. Treppe zur Hundebox aufbauen, Hunde aus dem Auto raus holen, Wasser geben, die Depotsäcke fertig machen. Alles geschieht schon automatisch ohne viel drüber nachzudenken. Ich starte den Generator um unsere Standheizung mit Strom zu versorgen, aber wieder tut sie nicht was sie soll. Der Dodge wird einfach nicht warm, das Trocknen von Decken und Booties bleibt unmöglich. In der Hoffnung das es hier einen Trockenraum gibt machen wir uns, nachdem wir alles wieder eingepackt haben auf dem Weg zum Hundebereich. Etwa einen halben Kilometer liegt der vom Parkplatz entfernt. Das Wetter ist traumhaft. Anders als erwartet ist es sonnig und kaum windig. Schäfchenwolken ziehen nur knapp über unseren Köpfen langsam über den Himmel. Wieder kommen uns viele Skifahrer entgegen. Nach einer Rechtskurve wird der Blick frei auf den Checkpunkt. Eingeschneit liegen die Hütten inmitten des Waldes. Durch die vielen Menschen wirkt der Ort jedoch nicht so idyllisch wie ich es erhofft habe. Laute Musik ist schon aus 300 Metern Entfernung zu hören, Stimmengewirr mischt sich dazwischen. Ich stelle die Depotsäcke ins Depot. Eine Möglichkeit zum Trocknen der Sachen gibt es hier nicht. Es wird wohl noch mindestens 3 Stunden dauern bis Ben eintrifft. Um 16 Uhr ist es dann soweit. Kurz nach dem Schweizer Team kommt er angeführt von Pauline und Joop aus dem Wald heraus. Er versorgt wie immer zuerst die Hunde und verabschiedet sich dann für ein mehrstündiges Schläfchen in eine der warmen Hütten. Ich bleibe noch für eine Stunde bei den Hunden, während Detlef ein paar Sachen für Ben aus dem Dodge zusammensucht. Mein Magen meldet sich und ich entscheide mich ein paar meiner norwegischen Kronen in ein leckeres Essen zu investieren. Viel ist nicht im Angebot. Letztendlich bestelle ich einen Tee und einen Hamburger. Dass die ausgegebenen 80 Kronen umgerechnet 10 Euro sind, wird mir erst beim essen bewusst. Der teuerste Hamburger meines Lebens. Naja wenigstens schmeckt es, satt macht es mich allerdings nicht. Zum Glück habe ich mir noch eine Packung Kekse eingepackt. Mittlerweile ist Detlef wieder aufgetaucht. Er möchte gerne ein wenig schlafen und entscheidet sich für die Bank hinter mir. Zehn Minuten lang ist abgesehen von der Musik aus den Boxen außerhalb der Stube erträgliche Ruhe. Dann fängt nebenan eine Akkordeonspielerin an norwegische Volkslieder zu spielen. Das Publikum ist begeistert, Ruhe findet man dabei allerdings nicht. Von meinem Platz aus habe ich einen guten Blick auf die Hunde. Sie liegen ruhig unter den Decken, nur ab und zu bewegt sich etwas. Alle bleiben jedoch in ihren warmen Woll-Iglus. Das Treiben außerhalb stört keinen der 11 Athleten. Unaufhörlich läuft draußen Musik. Der Bass dröhnt in meinen Ohren. Dann plötzlich Hektik. Immer mehr Menschen drängen sich in den kleinen Raum. 20 angetrunkene Norweger suchen lachend und grölend nach freien Plätzen. Sie schieben Tische zusammen und rücken Stühle. Detlef wacht auf, falls er überhaupt geschlafen hat. Wir verlassen die Hütte in Richtung Dodge. Die Rennhunde sind noch immer ruhig. Es ist auch noch nicht an der Zeit Ben zu wecken, also werden wir zuerst die 5 Vierbeiner in unserer Obhut versorgen. Stormy und Lalaby freuen sich über die Aufmerksamkeit die wir ihnen in den vorangegangenen Stunden leider nur wenig zu Teil kommen lassen konnten. Yukon und Smilla bellen freudig und Inuk scheint etwas traurig über ihr frühzeitiges Aus zu sein. Sie sitzt eher passiv vor ihrem Futter, nur den Pansen frisst sie sofort. Obwohl die Standheizung 4 Stunden am Stück lief, ist es im Innenraum der Hundekabine kalt, nur knapp 4 °C. Wir führen die Hunde zurück in ihre Boxen und machen uns auf den Weg zurück. Am Wegrand sind, was mir am Tag gar nicht aufgefallen war, Fackeln aufgestellt. Sie beleuchten den Pfad spärlich aber ausreichend. Jetzt endlich ist der Ort, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Verträumt schaue ich zum Himmel. Es ist eine sternenklare Nacht. Blassgrüne Lichter flackern über das schwarze Firmament, Nordlichter. Minutenlang beobachte ich, wie sich die grünen Bänder langsam verändern, sich wölben, ineinandergreifen und wieder verschwinden. Die Hunde stecken  die Köpfe unter den Decken hervor. Pauline, Joop, Eki und Akira liegen wie ein großes Fellknäuel zusammen ganz vorn. Akira kaut auf einem Stück Pansen rum. Whity guckt mich verschlafen an und Piki hat die Nase immernoch unter seinem Schwanz vergraben. Eddy liegt auf der Decke. Gipsy neben ihr ist unter der Decke nur zu erahnen. Sie scheint sich während der vergangenen Stunden nicht bewegt zu haben. Auch Bosse ist noch vergraben und Lucy liegt mit geschlossenen Augen neben ihm. Yuna ruht allein unter ihrer Decke, neben ihr ein großer Haufen Futter. Sie scheint bisher nichts davon angerührt zu haben. Die anderen fressen ihre Mahlzeit, die Ben ihnen jetzt bereitet hat zum größten Teil ganz ordentlich. Sie scheinen ihren Rhythmus gefunden zu haben, auch wenn sie immer noch viel zu wenig Wasser und Nahrung aufnehmen. Ben verschwindet wieder um selbst was zu essen und ich setze mich in ein Holztipi mit brennender Feuerstelle. Kaum jemand ist noch hier. Ein Team lädt gerade ihre Hunde ein und packt den Schlitten aus. Für sie ist das Rennen hier vorbei, warum weiß ich nicht. Fast 10 Teams geben hier auf, unter ihnen auch die Schweizer. Um 23 Uhr fängt Ben an sich fertig zu machen. Der Tierarzt kommt vorbei und untersucht alle elf Hunde. Eddy und Yuna fallen ihm auf, Ben soll sie im nächsten Checkpunkt wieder untersuchen lassen. 40 Minuten später verlässt er Søvollen. Die Polarlichter sind stärker geworden. Detlef und ich fegen das Stroh zusammen und verlassen den Ort in Richtung Tynset. Seit Rennbeginn habe ich zwei Stunden Schlaf bekommen, das macht sich jetzt bemerkbar. Im Auto kämpfe ich gegen die Müdigkeit an und verliere immer wieder für kurze Zeit. Die Wärme in der Fahrerkabine umhüllt mich wie ein Mantel in dem ich versinke. Es tut gut, als ich in Tynset an einer Tankstelle aussteigen muss um nach dem Weg zu fragen. Ein anderes Schlittenhundeteam tankt dort und sie schlagen vor, dass wir ihnen einfach bis zum Checkpunkt folgen sollen und das tun wir. Laut Wegbeschreibung sollen es vom Ortskern nur 5 km sein. Nach 10 km erkennen wir, dass dieses Team bereits zum Checkpunkt Grimsbu fährt und nicht Tynset. Also kehren wir um. Überraschend schnell finden wir die richtige Abzweigung und kurz danach sind wir am Ziel. Die Parkplatzsuche gestaltet sich problemlos, da hier höchstens noch 20 Hundetrucks stehen.   Wir stoppen in der Nähe einer Steckdose und niemanden stört es, als wir unser Stromkabel daran anschließen. Die Heizlüfter in der Hundekabine sorgen sofort für ein angenehmes Gefühl. Endlich strömt warme Luft in den kleinen Raum. Ich schlafe sofort ein, doch nicht mal 3 Stunden später klingelt der Wecker. Der Checkpunkt ist ein Schießplatz und wo jetzt die Hunde liegen, stehen sonst Zielscheiben. Kaum 30 Minuten nachdem ich aufgestanden bin, kommt Ben um 6 Uhr in Tynset an. Doch nur 10 Hunde ziehen ihn die letzten Meter, bis der Schlitten zum Stillstand kommt. Akira ist im Schlittensack. „Sie hat sich einfach hingeworfen“ erzählt Ben. Ob er sie weiter mitnehmen kann ist fraglich. Ein Tierarzt untersucht sie, kann jedoch keine Verletzung feststellen, ist wohl eine Kopfsache meint er. Auch für Eddy sieht es nicht gut aus. Sie hat zu viel gepowert, ihre Muskeln sind übersäuert. Wenn sie weiterläuft drohen Verletzungen. 7 andere Teams sind noch da, also endlich mal Ruhe. Jetzt liegen die Hunde im Stroh und kauen auf kleinen Fleischbrocken rum. Sie sehen müde aus und nachdem sie zugedeckt werden, schlafen die meisten vermutlich gleich ein. Ben legt sich für ein paar Stunden in das warme Auto. Ich gehe in die Cafeteria. Es ist 7 Uhr, also Zeit für ein kleines  Frühstück. Ich kaufe mir eine heiße Schokolade und ein Stück Kuchen. Es ist wie überall unverschämt teuer. Alle 15 Minuten schaue ich kurz nach den Hunden und decke sie falls nötig wieder zu. Je heller es draußen wird, desto weniger Müdigkeit verspüre ich. Ich frage mich, wie mein Körper mit so wenig Schlaf zurechtkommt und erkläre es mir damit, dass ich die meiste Zeit nichts weiter tue, als rumsitzen. Nach 2 Stunden halte ich es in dem überheitzten Raum nicht mehr aus. Mit einem Hotdog in der Hand verlasse ich das Haus und mache mich auf den Weg zu den Hunden. Direkt neben ihnen steht der Anhänger, auf den das alte Stroh in Mülltüten geworfen werden soll. Viele Säcke liegen daneben und laden dazu ein, sich einfach draufzuwerfen. Mit Musik im Ohr und der aufgehenden Sonne im Rücken genieße ich meine weiche Unterlage, nur 7 Meter entfernt von Pauline. Ein Team startet und 10 Hunde laufen direkt an mir vorbei. Eki guckt kurz hoch, senkt aber schnell wieder ihren Kopf und schließt die Augen. So liege ich eine halbe Stunde, bis Ben kommt und den Hunden ein warmes Essen bereitet. Außerdem muss er ein paar Dinge an seinem Schlitten reparieren. Während er die Schrauben der Bremsmatte festzieht nähert sich ein Fotograf und hält Bens Arbeiten mit seiner Kamera fest. Er ist Norweger und Redakteur einer kleiner Schlittenhundezeitschrift. Er fragt uns wie das Rennen bisher läuft und fotografiert auch die Hunde. Wie schon viele andere vor ihm während des Rennens, schenkt er Lucy die meiste Aufmerksamkeit. Ihre blauen Augen und ihr ehrwürdiger Blick fesseln jeden der sie anschaut. Ihr ist das meist ziemlich egal und so wundert es nicht, dass sie ihn ignoriert. Als er geht, entscheidet Ben sich Akira und Eddy aus dem Rennen zu nehmen. Ich bringe zuerst Akira und dann Eddy zum Dodge und befestige beide am Stakeout, wo sich auch schon Lalaby, Stormy, Inuk, Yukon und Smilla sonnen. Wieder beim Gespann, setze ich mich zu den Hunden ins Stroh, als Ben die letzten Dinge aus dem Dodge holen geht. Das Wetter ist traumhaft, blauer Himmel und nur vereinzelt kleine Wolken, die jedoch schon verdächtig schnell über den Himmel ziehen. Langsam werden die Hunde munter. Joop läuft, soweit es ihr durch die Leine möglich ist herum und nervt Pauline. Sie schmeißt ihre, noch halb gefüllte Futterschüssel um und frisst, als wenn sie das Futter jetzt erst bemerkt, einige Brocken Fleisch. Alle anderen genießen die Sonne. Ben kommt wieder und fängt an, den Vierbeinern die Booties anzuziehen. Eki steht auf und fängt als Erste an leise zu jaulen. Whity stimmt mit ein und auch Joop macht mit. 12 Uhr mittags verlässt Ben mit jetzt noch 9 Hunden Tynset. Nachdem das Stroh zusammengefegt wurde, machen Detlef und ich uns an die Arbeit, Fleisch und Trockenfutter, dass Ben nicht benötigt hat zu sortieren. Die Arbeit geht leicht von der Hand und macht Spaß. Langsam kommen immer mehr Menschen in den Checkpunkt, denn bald werden hier die Musher des 400 km Rennens eintreffen. Auf einem Feld etwa 400m entfernt, können Touristen selbst eine kleine Runde mit einem 2er oder 4er Hundeschlittengespann drehen. Der Andrang dort ist groß. Etwa eine Stunde nach Ben packen wir die letzten Reste zusammen und machen uns auf den bekannten Weg nach Grimsbu, wo uns unsere Hütte erwartet. Schon einige Hundert Meter vor dem Ort kann man Hundetrucks an der Straße parken sehen. Wir befürchten, dass die Zufahrt zum Campingplatz, auf dem wir die letzten Wochen verbracht haben, versperrt sein wird. Ein weißer Schleier liegt über dem kleinen Dorf, doch der Himmel ist immer noch blau. Der Schnee fliegt von rechts nach links über Häuser und Autos hinweg. Ein Sturm tobt hier. Wir erreichen die Einfahrt und haben überraschenderweise freie Fahrt bis vor unsere Hütte. Ich steige sofort aus und klettere auf einen kleinen Schneehügel hinter unserem Haus. Ein fantastisches Bild bietet sich mir. Viele Hundeteams liegen auf dem Feld. Schaulustige stehen am Rand des abgesperrten Bereichs und schauen Mushern dabei zu, wie sie versuchen Decken und andere Gegenstände am Wegfliegen zu hindern. Eine Windböe packt mich und wirft mich fast um. Detlef kommt zu mir und fotografiert begeistert die Szenerie. Immer wieder fegen Schneewirbel über die Hunde hinweg. Aus den Bergen kommt ein Team herangefahren. 10 Hunde ziehen den Schlitten langsam in unsere Richtung. Ein kurzer Halt um die Zeit zu nehmen und Stroh zu empfangen, dann noch einmal kurz anfahren bis der Rastplatz erreicht ist. Der Musher steigt vom Schlitten und sieht sich ungläubig um. Ich kann seine Nummer nicht erkennen. Er geht nach vorn zu seinen Hunden und scheint ihnen erklären zu wollen, dass sie hier, im Sturm, auf dem freien Feld nun die nächsten Stunden verbringen werden. Doch schon das Strohverteilen wird für ihn zu einer äußerst schwierigen Aufgabe. Er zerteilt den Ballen und nähert sich je einem Pärchen fast kriechend mit Teilen davon. In der Luft wirbeln Strohhalme, die der Wind ihm aus den Händen klaut. Euphorisch vom Gelingen seiner Arbeit, versucht er nun ein Feuer zu machen. Er kippt eine Flasche Spiritus in seinen Metallkocher und kramt in seiner Jacke, wahrscheinlich auf der Suche nach Streichhölzern. In der Hocke, mit dem Wind im Rücken, stellt er 10 Minuten später den Kocher ohne Feuer beiseite. Mein Magen meldet sich und wir verlassen den Hügel um die Hunde aus dem Dodge zu nehmen. Yukon und Smilla kommen gleich in die Hütte in die wir ihnen, kurze Zeit später, folgen. Ich esse einen Joghurt, ein Müsli und ein paar Brote und lege mich dann schlafen. Nur 3 Stunden später um 19 Uhr klingelt schon wieder der Wecker. Es fällt mir schwer das warme Bett zu verlassen. Das war mit Abstand der beste Schlaf seit langem. Übermüdet ziehe ich mich an. Draußen ist es schon wieder dunkel und der Wind heult noch immer. Ben wird das gar nicht gefallen. Auch Detlef steht schon auf und nachdem ich den Depotsack fertig gepackt habe, machen wir uns auf den kurzen Weg zum Hundebereich. Noch immer liegen viele Teams hier, denn der Checkpunkt zweimal hintereinander angefahren. Die Zuschauermenge hat sich deutlich verkleinert, nur noch ein paar wenige stehen hier und trotzen dem Wetter. Erstaunlicherweise ist es trotz des starken Windes überhaupt nicht kalt. Eine Stunde patrouillieren wir am Rand der Absperrung auf der Suche nach Ben. Viele roten Jacken, so wie Bens laufen hektisch hin und her, aber Ben ist unserer Meinung nach nicht dabei. Also machen wir uns auf den Weg zurück zur Hütte um schnell etwas warmes zu trinken und unsere Hunde zu füttern. Da bekomme ich einen Anruf. Ben fragt ob ich denn noch schlafen würde, er wäre schon seit mindestens einer halben Stunde da. Erschrocken erkläre ich ihm, dass wir die ganze Zeit dort waren, ihn aber nicht gesehen hätten. Ich lasse das noch zu heiße Getränk auf dem Tisch stehen und sprinte zu Ben. Die Hunde liegen bereits auf Stroh hinter kleinen Schneehügeln, die sie vor dem Sturm schützen sollen. Ben scheint wirklich schon etwas länger hier zu sein. Erstaunlich, dass wir ihn nicht gesehen haben, wo er doch sogar der einzige ist, der solche Schneehaufen gebaut hat. Er legt noch schnell jedem Hund etwas Futter hin, nimmt seine Jacke und geht zur Hütte. Ich folge ihm um meinen Tee, meinen Ipod und eine Sitzunterlage zu holen. Detlef begleitet mich zurück zu den Hunden. Es ist das erste Mal während des Rennens, dass er so engen Kontakt mit ihnen hat. Als wir ankommen, sind die Tiere trotz den kleinen Schneehaufen schon fast komplett mit Schnee bedeckt. Ich trinke meinen Tee, der jetzt eine angenehme Wärme hat und fange an die Hügel zu vergrößern. Detlef verabschiedet sich mit dem Hinweis, dass er jetzt Eierkuchen für Ben macht. Keiner der Checkpunkthelfer interessiert sich für mich und meine Arbeit, wahrscheinlich in der Annahme ich sei der Musher, also mache ich ungehindert weiter. Kurze Zeit später hat sich die Höhe der Hügel verdoppelt. Man sieht jetzt wie der Schnee über die Hunde hinweg geblasen wird, ohne sie zu berühren. Zufrieden setze ich mich auf einen kleinen Haufen Stroh und höre Musik. Ich spüre wie meine Augenlider schwerer werden. Langsam schaukle ich im Wind hin und her. Mir ist warm, nur die dem Wind zugewandte Seite des Gesichts fühlt sich kalt und feucht an. Plötzlich erschrecke ich. Ich liege seitlich im Schnee, bin eingeschlafen und wurde umgeblasen. Jetzt ist mir kalt. Ich schaue die Hunde an, alle schlafen, keiner bewegt sich. Für eine halbe Stunde können sie mich wohl entbehren und so mache ich mich auf den Weg zurück zur Hütte. Eine halbe Pizza liegt noch auf dem Tisch und da wohl keiner mehr was essen möchte, verputze ich sie. Da ich immer noch hungrig bin, mache ich noch eine Pizza. Detlef ist mittlerweile nach draußen zu den Hunden gegangen und da ich nicht nicht müde bin folge ich ihm wenig später. Wie erwartet ist alles ruhig. Keiner der Athleten hat sich bewegt, denn sie sind noch immer schneebedeckt. Der Wind scheint noch stärker geworden zu sein. Ein Gespann fährt an uns vorbei um die nächste Etappe zu befahren. Der muss verrückt sein, denke ich, wer weiß wie es oben in den Bergen aussieht. Jetzt bei totaler Dunkelheit da raus zu fahren ist wirklich gefährlich. Da hier sonst nichts passiert, gehen wir zurück zur Hütte und machen es uns gemütlich. Jede Stunde gehe ich einmal kurz raus um zu schauen wie es den Hunden geht, in der Zwischenzeit höre ich Musik, lese oder schlafe ich. So vergeht die Zeit bis zum Morgen. Der Wind hat nachgelassen und Ben entschließt sich weiterzufahren. Um 11 Uhr verlässt er uns in strahlendem Sonnenschein. Die Strecke die er jetzt vor sich hat, kennt er bereits. Er ist sie einige Male in den vergangenen Wochen gefahren. Endlich haben wir mal etwas mehr Zeit. Mich erwartet eine warme Dusche und wieder etwas Schlaf. Und auch den Hunden in unserer Obhut können wir mal etwas mehr Aufmerksamkeit schenken. Doch die Stunden vergehen schneller als erhofft und um 17 Uhr taucht Bens Schlitten schon wieder aus dem Wald auf. Keiner der 9 Vierbeiner humpelt, aber sie sehen erschöpft aus. Der Tierarzt stellt eine erhöhte Temperatur bei Whity fest. Bosse hat starken Durchfall und Yuna frisst und trinkt überhaupt gar nichts mehr. Die nächsten Stunden sollen ihnen Erholung verschaffen. Der Wind ist abgeflaut und die Temperatur ist wieder gesunken. Nur ein anderes Team liegt noch mit uns hier. Sie werden wie wir das Rennen hier beenden. Um Mitternacht machen wir einen Hund nach dem anderen vom Schlitten ab und führen jeden am Bauchgurt zu unserer Hütte. Keiner scheint etwas gegen diese Entscheidung zu haben. Zum Schluss schiebe ich den Schlitten über das schwach beleuchtete Feld zum Dodge. Ich stehe auf den Kufen, gleite über den Schnee und stelle mir vor, wie es ist selbst hunderte von Kilometern, einsam und nur von geliebten Freunden gezogen durch Eiswüsten zu reisen, der Kälte schutzlos ausgeliefert, mit einem Auge immer bei den ihnen.
Die letzten Tage waren anstrengend, nervenaufreibend, lustig und spannend. Ich lege mich zu den Hunden und schaue in den Himmel. Die Sterne blinken hell. Whity leckt mir übers Gesicht. Sie und alle anderen hatten Spaß, denn das Laufen über Eis und Schnee ist ihr Leben.

Stefan Gierke, Februar 2011


 
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